Freitag, 30. Juni 2017

Freie Meinung

Claus Folger auf Rubikon:

Propagandaland Deutschland

Ist selbst die indische Presse freier als die deutsche?

Was für eine Aufregung! Zeit Online bringt im Rahmen ihrer Aktion „Deutschland spricht" Paare einander unbekannter Menschen mit gegensätzlichen politischen Ansichten zu einem Streitgespräch zusammen. Zeit Online-Chefredakteur Jochen Wegner dachte sich, gute Idee, bei diesem Experiment mache ich selbst mal mit. Ich möchte gerne herausfinden, wie es ist, sich einmal mit einem Menschen zu unterhalten, der nicht exakt die gleichen politischen Ansichten hat wie ich.

Subhasish Mondal fühlt sich im Vergleich zur Situation in Deutschland durch indische Medien viel besser informiert:


„Mein Eindruck ist, dass die Printmedien in Deutschland systemkonform bzw. staatskonform schreiben oder berichten. Hat die deutsche Regierung eine ausländische Regierung als negativ eingestuft, dann ist es fast nicht möglich, dass deutsche Journalisten über die Präsidenten dieser Länder berichten, ohne despektierliche Adjektive voranzustellen. Findet Frau Merkel Macron gut und Le Pen schlecht, dann wird es keine deutsche Zeitung geben, die über Le Pen auch nur neutral berichtet. Ich kam im Dezember 2016 nach Deutschland und kann nicht glauben, dass ich seitdem praktisch jeden Tag etwas über Donald Trump erfahre. So etwas kenne ich aus den indischen Medien nicht. Der Horizont ist dort viel weiter und irgendwann ist ein Thema auch abgeschlossen. In Deutschland dagegen berichtet man immer über die gleichen Länder. Die inhaltliche Verzerrung fängt dabei meist schon bei den sehr subjektiven Überschriften an. Eine Trennung zwischen Bericht und Kommentar gibt es kaum. Ich habe eigentlich niemals das Gefühl, durch deutsche Medien neutral und unvoreingenommen informiert zu werden.“

„Es heißt immer, Deutschland sei ein freies Land. Klar, Sie können sich mit Deutschen immer über das Wetter und Fußball unterhalten. Aber versuchen Sie sich mal mit einem Deutschen über die AFD zu unterhalten. Bei bestimmten Themen werden sie durch Blicke abgestraft. Man hat dann Minuspunkte bei dem anderen gesammelt. Die Unterschiede zwischen Rechts und Links sind in Deutschland sehr intensiv. In Indien gibt es alles in einer Familie, Linke und Rechte und Kommunisten. Man akzeptiert sich so, wie man ist. Es ist einfach lockerer und man muss nicht ständig auf seine Worte achten. Ein Beispiel aus dem Unterricht: Es gibt Dozenten, die etwas über die Kultur ihrer Sprachstudenten wissen wollen. Aber sobald es sich für ihre Ohren ungehörig anfühlt, stoppen sie es und würgen auch jede Diskussion darüber ab. Anschließend werden wir über die richtige Art zu denken und zu fühlen belehrt.“